Green School Bali – Nachhaltiges Lernen in einer Schule aus Bambus

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Auf die Green School Bali bin ich durch einen äußerst glücklichen Zufall gestoßen. Bevor wir Australien in Richtung Bali verließen, recherchierte ich online nach Grundschulen auf der indonesischen Insel. Denn auch hier wollte ich Arbeit und Reisen wieder verknüpfen. In der Liste der Suchergebnisse stieß ich auf die Green School Bali. Irgendwie machte mich der Name neugierig. Er weckte viele Assoziationen und ich wollte unbedingt wissen, was genau sich dahinter verbirgt. Also googelte ich. Und fand zunächst Folgendes heraus.

Die Green School Bali

Die Green School Bali wurde 2006 als alternative Schule von den beiden Juwelieren und Visionären John und Cynthia Hardy gegründet. Sie ermöglicht den Kindern eine Schulbildung vom Kindergarten bis zur High School. Eröffnet wurde sie im September 2008 mit 90 Schülern als gemeinnützige, private und internationale Schule. Der Campus entstand aus dem Dschungel und den Reisfeldern Balis. Die Green School Bali basiert auf der Idee, lokal zu leben, sich um den Raum um einen herum zu kümmern und somit den Raum zu pflegen, in dem womöglich die eigenen Enkelkinder leben werden.

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Der Ursprung der Gründung lag wohl darin, dass John und Cynthia Hardy nach Jahren des Homeschoolings wollten, dass ihre Töchter eine „echte“ Schule besuchen. Allerdings sollte es nicht irgendeine Schule sein. Vielmehr wollte John Hardy, der wegen eigener negativer Erfahrungen selbst ein großer Kritiker der traditionellen Schule war, dass seine Töchter eine Schule besuchen, an die er glaubte, an der er teilnehmen wollte. Da es zu der Zeit keine Schule gab, die seinen Ansprüchen genügte, beschloss er, gemeinsam mit seiner Frau eine solche zu gründen. In der Green School Bali hat er seine Vision verwirklicht.

Besuch der Green School Bali

Begeistert von der Tatkraft Hardys und seiner Idee einer grünen Schule war für mich schnell klar, dass ich nicht nur über die Green School lesen, sondern sie unbedingt besuchen wollte. Ich wollte mir ein eigenes Bild vor Ort machen. Herausfinden, wie es an der Green School wirklich ist.

Also klickte ich mich durch die Webseite, um nach einer Kontaktadresse zu suchen. Recht schnell sprang mir dabei der Button visit us ins Auge. Ohne zu zögern buchte ich für mich und meinen Freund, den ich mit meiner Begeisterung für die Green School anstecken konnte, eine gemeinsame Tour. Gespannt fieberten wir unserem Besuch an der Green School entgegen.

Ankunft an der Green School Bali und erste Eindrücke

Am Tag unserer Tour brachen wir früh mit unserem Roller zur Schule auf. Denn wir wollten die Tour keinesfalls verpassen. Und schon auf dem Weg zur Green School durften wir feststellen, dass die Bezeichnung „Green School“ (dt.: Grüne Schule) für die Schule hier in Bali mehr als passend gewählt wurde. Denn die Schule lag mitten im Grünen. In einem riesigen balinesischen Palmen-Dschungel.

Aber nicht nur wegen der Lage erschien der Name der Schule sehr passend, sondern auch wegen ihrer Gestaltung und – wie wir später erfuhren – wegen ihrer pädagogischen Ausrichtung. Im ersten Moment glaubten wir sogar, uns verfahren zu haben. Denn nach Schule, wie man sie sich im traditionellen Sinne vorstellt, sah hier wirklich gar nichts aus.

Eine Schule aus Bambus

Statt auf Betonblöcke, die bestenfalls mit ein paar Graffitis besprüht oder bunt angemalt sind, blickten wir auf ein acht Hektar großes Areal aus über 50 organischen Bambus-Gebäuden mit Alang-Alang-Grasdächern. Ein einzigartiger Anblick! Und die Bauweise hat – wie eigentlich alles an der Green School – ihren Grund. Denn John Hardy wollte keinesfalls, dass die Kinder in einer Box zur Schule gehen, die aus den gleichen Materialien wie ein Gefängnis oder eine Irrenanstalt besteht.

Seine kritische Sicht gegenüber der traditionellen Schule trieb ihn schließlich dazu, herkömmliche Bauweisen über Bord zu werfen und eine andere Schule zu schaffen. Das Schulgebäude sollte nicht aus einem Betonbunker bestehen. Der Schulhof nicht einer Betonwüste gleichen. Seine Alternative lautete: Ein grüner Campus bestehend aus Bambus-Gebäuden.

Dadurch wollte er nicht nur Lernen in einer umweltbewussten Umgebung ermöglichen. Er wollte damit auch die Sinne und die natürliche Neugier der Kinder entzünden. Und er wollte vor allem die Schule samt ihrem Umfeld zu einem Ort werden lassen, an dem Innovation, Kreativität und Lernen gedeihen können. Große Ziele, die er gemeinsam mit dem spezialisierten Architekten Jörg Stamm und dem als Kreativ-Direktor engagierten Künstler Aldo Landwehr mit dem Bau seiner Green School Bali – wie ich finde – erreicht hat.

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Von Neugierde gepackt

Wir waren allein vom Anblick der Green School beide so gepackt, dass wir am liebsten sofort hineingegangen wären und alles auf dem Gelände erkundet hätten. Das war aber leider verständlicherweise nicht möglich, da wir dadurch wohl den Schulbetrieb gestört hätten. Stattdessen bat man uns, vor dem Tor der Green School auf den Beginn der Tour zu warten.

Normalerweise ist Warten nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung und zählt schon gar nicht zu meinen Stärken. An der Green School war das irgendwie anders. Hier war ich beinahe froh, warten zu dürfen. Denn wie ich schnell bemerkte, gab es schon außerhalb des eigentlichen Campus unglaublich viel zu entdecken. Zum Beispiel ein Go-Kart mit einem Bambusfahrgestell.

Go-Kart-mit-Bambusfahrgestell-Green-School-Bali

Der Bio Bus

Aber damit nicht genug. Noch vom außergewöhnlichen Go-Kart begeistert, wartete kurze Zeit später auch schon der nächste Clou auf uns. Der Bio Bus. Er fuhr an uns vorbei und setzte Schüler, Lehrer, Eltern und Mitarbeiter vor dem Haupteingang der Schule ab. Wie wir seiner Aufschrift entnehmen konnten, handelte es sich keinesfalls um einen gewöhnlichen Schulbus. Der hätte in das Ambiente auch irgendwie nicht gepasst 😉. Das Besondere am Bio-Bus war, dass er durch altes Speiseöl betrieben wird. Auf die Idee kamen wohl Schüler der Abschlussklasse 2015, die es zum Ziel hatten, einen „magischen Bus“ mit Biobrennstoff zu konzipieren, wie ich später aus einem Schüler-Video erfuhr.

Damit der Bio-Bus immer Sprit hat, sammelt die Grease Police übrigens fleißig jede Woche altes Speiseöl in Hotels, Warungs und Restaurants. Daraus stellen sie anschließend Bio-Sprit her.

Info: Insgesamt gibt es an der Schule zurzeit drei Busse, die mit diesem Bio-Sprit fahren –  und es gibt eine eigene 100% Bio-Sprit Tankstelle.

Inspiration über Inspiration

Noch bevor ich das eigentliche Gelände der Schule überhaupt erst betreten hatte, war ich schon völlig fasziniert von der Green School Bali samt ihrem Treiben. Selbst wenn ich in der nachfolgenden Tour keine weiteren Informationen mehr über die Schule und das Konzept dahinter erhalten hätte, wäre ich durch den circa einstündigen Aufenthalt hier auf dem Außengelände der Green School mehr für meine pädagogische Arbeit inspiriert worden als in fünf Jahren Uni-Besuch.

Die Gestaltung der Schule und das, was ich allein außerhalb zu sehen bekam, sprach einfach für sich. Die Schule samt ihren Inhalten war selbsterklärend. Man musste sich nur die Zeit nehmen und sich auf das einlassen, was man wahrnahm. Dann konnte man das Ziel der Green School erkennen, ohne dass es einem gesagt wurde. Aber nicht nur das.

Die Einzigartigkeit der Schule motivierte mich, kreativ zu werden, nachzudenken, umzudenken, Unmögliches möglich zu machen. Irgendwie kam Arbeitsfreude auf. Da war die nachfolgende Tour schon beinahe nebensächlich. Und dennoch enttäuschte sie mich nicht.

Die Tour beginnt

Pünktlich um 9.00 Uhr begrüßte uns Sophie, die Mama zweier Green School-Schüler, auf dem Campus. Sie führte uns gute 90 Minuten über das Schulgelände und gab uns Einblicke in alle wesentlichen Bereiche der Schule. Es gab so viel zu sehen und zu entdecken und natürlich jede Menge interessante Informationen.

Lehren und Lernen in der Green School Bali

Wie uns Sophie zu Beginn der Tour verriet, besuchen in diesem Schuljahr – das auf Bali übrigens genau wie in Deutschland im Sommer beginnt – 415 Kinder aus mehr als 33 Nationen die Green School. Heterogenität ist an dieser Schule also kein Fremdwort 😉.

Dabei lernen in den Klassenstufen eins und zwei maximal 20 Kinder in einer Klasse. In den Klassenstufen drei bis zwölf maximal 24 Kinder. Den pädagogischen Grundansatz bildet die Pädagogik Rudolf Steiners. Fähigkeiten, Interessen und Anlagen des Kindes stehen also an der Green School Bali im Fokus und nicht die Frage, was aus dem Kind werden soll.

„When it comes to learning, it’s about lighting a fire, not filling a bucket“ – Kate Druhan (Vorsitzende der Green School Bali Schulleitung)

Schülerpartizipation

Indes versicherte uns Sophie, dass die Green School seit ihrer Gründung vor zehn Jahren ihre pädagogische Arbeit ständig zugunsten der Schüler verbessere und den pädagogischen Ansatz Steiners entsprechend weiterentwickle. Diese Worte sah ich später bestätigt, als ich die Feedback-Tafeln und den Student Stand entdeckte. Gleichzeitig nahm ich auch wahr, dass die Schülerinnen und Schüler an der Green School Bali ein hohes Mitsprache- und Mitgestaltungsrecht haben. Dazu gleich mehr.

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Der integrative Ansatz der Green School Bali

Wie wir von Sophie erfuhren, werden die Kinder in der Primary School, für die ich mich von Berufswegen her natürlich besonders interessiere, in Mathematik (Numeracy) und Sprache (Indonesian Language & Culture, English Literacy, Reading) unterrichtet. Daneben in Naturwissenschaften (Green Studies Project), Gemeinschaft (Bahasa Indonesia), Bewegungs- und Körpererziehung (Physical Education), Kunst (Visual Art), Musik (Music), Theater (Drama), Wohlbefinden (Wellbeing), Clean up (Aufräumen) und Sport (Sport).

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Stundenplan einer Grundschulklasse an der Green School (Quelle: Primary School Curriculum)

Die Fächerauswahl zeigt, dass die Green School mit ihrem Stundenplan deutlich von dem traditioneller (Grund-)schulen abweicht. Aber nicht nur das. Das Besondere ist vielmehr, dass der Unterricht in einzigartiger Weise erfolgt. Die Interessen der Kinder geben die Richtung vor. Heißt konkret: Man versucht für jedes Kind ein Thema zu finden, das dessen Interesse und Begeisterung weckt. Hat man dieses Thema gefunden, versucht man die mathematische und sprachliche Bildung in dieses Thema zu integrieren.

Die Lehrer kombinieren hier mehrere Schulfächer ganz selbstverständlich miteinander. Dadurch können die Kinder direkt verstehen, was sie lernen und vor allem, warum sie es lernen. Fragen, die der Lehrer nicht mehr mithilfe mühselig zusammengesuchter und dennoch meist wenig überzeugender Argumente beantworten muss, sondern die sich die Kinder selbst erschließen.

Projektbasiertes Lernen

Dass dieser integrative Ansatz eine andere Form von Unterricht erfordert, ist klar. So erfuhren wir von Sophie, dass das Lernen an der Green School Bali größtenteils projektbasiert erfolgt. Das heißt, die Kinder lernen nicht in erster Linie in ihrem Klassenzimmer aus dem Buch, sondern so oft es geht in der realen Welt. Zum Beispiel auf dem Feld, im Dschungel oder am Fluss.

Student-Project-Grade-4-Green-School-Bali

Die Kinder finden Lösungen für ihre Probleme!

Den Einstieg in ein neues Thema kann man sich so vorstellen, dass sich jedes Kind ein fachliches Problem sucht. Für dieses Problem versucht es dann im weiteren Verlauf einen Lösungsweg zu finden und mögliche Lösungen zu entwickeln. Dabei arbeitet es in der Regel mit anderen, am selben Thema interessierten Kindern zusammen. Aufgabe der Lehrperson ist es, die Kinder bei Bedarf in der Lösungsentwicklung zu unterstützen. Außerdem muss sie überlegen, wie man Themenbereiche aus anderen Fächern in das Hauptthema integrieren kann und ihre Überlegungen in die Tat umsetzen.

Zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt müssen die Kinder ein dokumentiertes Ergebnis der Problemanalyse präsentieren und dieses schließlich mit der gesamten Lerngruppe diskutieren. Durch diesen Ablauf, der der Arbeitsweise in vielen beruflichen Handlungsfeldern ähnelt, entwickeln die Kinder schon früh wesentliche Handlungskompetenzen für ihr späteres Berufsleben. Aber sie lernen nicht nur etwas für ihr Berufsleben. Sie lernen in erster Linie etwas für ihr eigenes Leben Bedeutsames, auf Basis eines Problems, das sie selbst festgemacht haben.

We are the Changemakers!

Abgesehen davon, dass die Kinder lernen, ein Problem festzumachen, sich diesem zu stellen und eine Lösung dafür zu suchen, erfahren sie, dass ihre Interessen, ihre Ideen und ihre Fähigkeiten gefragt sind. Die Kinder werden also stets ermutigt. Sie werden motiviert, frei zu denken und gleichzeitig animiert, Probleme anzupacken und zu lösen. Auch wenn diese vorher vielleicht noch keiner gelöst hat.

Innovatives-Schülerprojekt-Bio-Bus-Green-School-Bali

Entmutigende Sätze wie „Werd erstmal erwachsen!“ sind an der Green School Bali Schnee von gestern. Hier hat man verstanden, dass auch schon Kinder etwas können. Man wartet nicht, bis die Kinder „groß genug“ sind, sondern man glaubt von Anfang an an sie. Die Schülerorientierung und der gegenseitige Respekt sind also enorm.

Gestaltung der Klassenzimmer und des Campus

Für die Organisation des Schulalltages ergibt sich durch die Ausrichtung des Unterrichts auf das projekt- und interessenbasierte Lernen natürlich eine große Änderung. Die Kinder verbringen nicht mehr unzählige Stunden in einem Klassenraum, sondern draußen vor Ort. Eben da, wo die „Probleme“ wirklich sind und wo sie auch tatsächlich gelöst werden können.

Diese Tatsache wurde von John Hardy und seiner Frau Cynthia beim Errichten und Gestalten des Campus natürlich bedacht. So musste der typische Betonbau – wie oben schon erwähnt – Bambushütten weichen. Die Bambushütten fungieren als Klassenzimmer. Und sie bringen große Vorteile mit sich. Sie haben keine Mauern. Dadurch findet nicht nur der Geist der Kinder Raum zum Denken, sondern die Kinder werden auch angeregt, den Klassenraum zu verlassen. Nach draußen zu gehen. Für die Lehrperson bringt diese Gestaltungsform natürlich auch Vorteile mit sich. Sie kann während der Zeit, in der sich die Kinder draußen aufhalten, viel besser mit ihnen kommunizieren. Denn Wände stehen keine im Weg.

Klassenzimmer-Green-School-Bali

Doch damit an Vorteilen nicht genug. Die Bambushütten sind darüber hinaus hell und kommen durch die vielen offenen Elemente größtenteils mit natürlichem Licht aus. Das heißt, der Stressor künstliches Licht entfällt im Schulalltag nahezu komplett. Sollte an besonders dunklen Tagen doch einmal Licht benötigt werden, erzeugen übrigens Solaranlagen den Strom hierfür. Wie sollte es auch anders sein 😉?

Hinweis:

Für Kritiker wie mich, die sich an der Stelle fragen, ob diese offenen Elemente auch noch bei schlechtem Wetter so super sind, folgende Information: Ich habe bei Sophie nachgefragt und mir wurde versichert, dass der Unterricht nicht unter schlechtem Wetter leiden muss. Kinder und Lehrer seien auf sich wechselnde Wetterbedingungen eingestellt und nähmen die Herausforderungen, vor die sie die Natur manchmal stellt, bereitwillig an. Lediglich wenn es stark regnet, müsse der Unterricht manchmal so lange unterbrochen werden, bis man wieder normal miteinander reden könne. Aktive Lernzeit geht hier wohl also nicht allzu oft verloren 😉.

Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit

Wie ich vor Ort einprägsam erfuhr, war es dem Gründer wichtig, dass die Kinder an seiner Schule Verantwortung gegenüber der Menschheit in ihrer Umwelt und in ihrem jeweiligen Kulturkreis übernehmen. Damit lässt sich übrigens unter anderem auch die Auswahl des Baumaterials erklären. Denn Bambus kommt hier in Bali geradezu aus dem Boden geschossen. Und er wächst, wie ich nachgelesen habe, in zwei Monaten so hoch wie eine Kokospalme. Das heißt, jährlich können große Mengen gefällt werden, ohne den Bestand zu gefährden. Das macht Bambus zu einem sehr nachhaltigen Rohstoff und zum idealen Baumaterial für eine grüne Schule.

Grüne Einrichtung

Übrigens wurde an der Green School Bali nicht nur das Schulgebäude selbst aus Bambus gebaut, sondern wie man weiter oben auf dem Bild erkennen kann, auch das Interior – also Tische, Stühle, Regale, Schuhgestelle, sogar Mülleimer. Der nachhaltige Rohstoff wurde also bis ins kleinste Detail als Konstruktions- und Baumaterial ausgenutzt. Nur am Boden sieht man etwas Zement, der den teilweise doch recht großen Bambusgebäuden Stabilität verleihen soll.

Grüne-Einrichtung-Klassenzimmer-Green-School-Bali

Grüner Campus

Allerdings findet der ökologische Gedanke keineswegs nur in der Architektur Berücksichtigung. Will heißen, nahezu alles an der Green School ist nachhaltig. So ersetzen Komposttoiletten herkömmliche Toiletten, die viel Wasser und auch Strom benötigen. Kühe ersetzen Rasenmäher und das benötigte Wasser stammt aus eigenen Quellen. Über 100 Solarzellen erzeugen mehr als 80 Prozent des Strombedarfs und alte Autoscheiben, die dahinter mit weißem Papier beklebt wurden, ersetzen die Wandtafel.

Auto-Windschutzscheibe-ersetzt-Wandtafel-Green-School-Bali

Nachhaltiges Lernen an der Green School Bali

Jedoch bringt die Vision des Gründers, eine Schule zu schaffen, in der die Kinder Verantwortung gegenüber der Menschheit in ihrer speziellen Umwelt und in ihrem jeweiligen Kulturkreis übernehmen, weitere Aufgaben mit sich. Ein grüner Campus allein reicht da nicht aus. Vielmehr müssen nachhaltiges Lernen und der Umgang mit lokalen Problemen natürlich in den Schulalltag integriert werden. Die Kinder sollen schließlich nicht nur etwas über Nachhaltigkeit lernen, sondern diese auch tatsächlich leben. Eine Aufgabe, der sich John Hardy und seine Frau bewusst waren.

Die Kinder lernen, wie ein Unternehmer zu handeln!

So gibt es an der Schule unter anderem organische Gärten. Durch das Betreiben dieser Gärten lernen die Kinder schon früh ökologische Anbaumethoden kennen. Gleichzeitig lernen sie, woher ihr Essen kommt und wie es wächst. Und sie lernen, wie ein Unternehmer zu handeln, indem sie ein Teil ihrer Ernte auf dem wöchentlich stattfindenden Farmers Market verkaufen. Das Wissen, das sie hier erwerben und die Erfahrungen, die sie dadurch sammeln, können die Kinder übrigens ein Leben lang nutzen. Denn wann immer sie ein neues Produkt entwickeln, egal wie innovativ es ist, wissen sie, wie man es an den Markt bringen und verkaufen kann.

Organischer-Garten-an-der-Green-School-Bali

Die Kinder lernen Kreisläufe kennen

Eine Hühnerhaltung ergänzt die Arbeit in den organischen Gärten. Diese Kombination ist aus ökologischer Sicht sehr sinnvoll. Die Kinder erfahren, dass sie in der Landwirtschaft das Futter für ihre Hühner herstellen und dort gleichzeitig deren Mist „sinnvoll“ als Gülle entsorgen können. Dieser natürliche Kreislauf garantiert nachhaltiges Wirtschaften und reduziert biologische Abfälle gänzlich.

Schuleigene-Hühner-Green-School-Bali

Um auch ansonsten den Abfall möglichst gering zu halten und mit Rohstoffen sparsam umzugehen, ist Upcycling zu einem festen Bestandteil des Schulalltages geworden. So konnte ich auf dem Schulgelände unter anderem eine Sitzgruppe und einen Waschbeckenunterschrank aus Altreifen entdecken.

Sitzgruppe-aus-Altreifen-Green-School-Bali

Daneben gibt es – wie ich sehen konnte – an der Green School eine schuleigene Tauschstation, bei der die Kinder Klamotten, Bücher und Spielzeug gegenseitig tauschen können. Sie erfahren also am eigenen Leib, dass vermeintlich ausgediente Produkte nicht zwangsläufig auf dem Müll landen, sondern manchmal einfach nur ihren Besitzer wechseln müssen.

Integration lokaler Probleme in den Unterricht

Beim nachhaltigen Lernen wurde – wie ich bemerkt habe – übrigens großen Wert auf die Integration lokaler Probleme gelegt. So entschied man sich als Schulgemeinde gegen das offensichtliche Müllproblem, das hier vor Ort in Bali besteht, anzukämpfen und die Kinder gleichzeitig zu umweltbewusstem Handeln zu erziehen

Wie uns Sophie verriet und wie wir auch unschwer erkennen konnten, wurden überall an der Schule Mülltrennsysteme etabliert. Dadurch möchte man nicht nur als gutes Beispiel vorangehen, sondern gleichzeitig auch die heranwachsenden Generationen hinsichtlich Mülltrennung richtig erziehen.

Mülltrennsysteme-Green-School-Bali

Veranstaltung von Trash Walks

Doch damit nicht genug. Um nicht nur die Kinder, sondern auch die Gemeinde darin zu schulen Müll zu recyceln, können die Kinder ihren Müll in die Schule bringen. Für 5 kg Müll im Monat dürfen sie kostenlos am Englischunterricht teilnehmen. Außerdem veranstaltet die Schule manchmal auch sogenannte Trash Walks. Im Rahmen dessen gehen die Schüler raus und sammeln in der Natur Müll. Eine Tätigkeit, die zum Mitmachen animiert.

Wasserspender ersetzen Plastikflaschen

Darüber hinaus sind Plastikflaschen auf dem Schulgelände verboten. Stattdessen finden sich am Eingang jedes Klassenzimmers Wasserspender. Hier dürfen die Kinder so oft sie wollen ihre wiederverwendbaren Flaschen auffüllen.

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Aber nicht nur die Institution Schule stellt sich dem Müllproblem. Auch die Schüler tun dies. So starteten zwei Green School Schülerinnen vor fünf Jahren die Kampagne Bye Bye Plastic Bags (BBPB) – eine Kampagne, um Plastiktüten in Bali bis 2018 zu verbieten. Diese Kampagne reichte so weit, dass die beiden zwei Jahre später von der indonesischen Regierung und dem Gouverneur von Bali die Bestätigung erhielten, dass Plastiktüten bis 2018 auf der Insel verboten werden. Nicht schlecht!

Zusammenfassend kann man also festhalten, dass die Kinder an der Green School Bali nicht nur ihren Interessen nachgehen dürfen. Sie erfahren auch etwas über die Welt und das, was um sie herum passiert. Gleichzeitig werden sie angeregt, intensiv und kritisch über bestimmte Sachverhalte nachzudenken und erhalten den Spielraum, ihre Gedanken in die Tat umzusetzen.

Statt Noten gibt es eine Challenge-Week

An der Green School gibt es keine Noten und keine Prüfungen. Um die Kinder trotzdem auf ein Leben außerhalb der Green School vorzubereiten, in dem die Interessen eines Einzelnen nicht immer im Fokus stehen und in dem Wettkampf das Miteinander bestimmt, gibt es jedes Jahr eine „Challenge-Week“. Hier müssen die Kinder etwas machen, was außerhalb ihrer Komfortzonen liegt. Anschließend wird ihre Leistung beurteilt.

Diese Beurteilungsform bringt nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Lehrer Veränderungen mit sich. Sie können sich um die wirklichen Ideen eines Kindes kümmern statt Bildergeschichten bewerten zu müssen.

Die Green School wächst

John Hardy sieht seine Pflicht mit der Errichtung einer Green School hier in Bali noch nicht erfüllt. Vielmehr möchte er ein globales Netzwerk von entsprechend ausgerichteten Schulen schaffen. In seinem Ted-Talk sagt er, dass die Green School ein Modell sei, dass er gemeinsam mit seiner Frau für die Welt gebaut habe. Und jede Gemeinde könne dieses Modell verwirklichen. Sie müsse nur diesen einfachen Regeln folgen: lokal sein, die Umwelt führen lassen und darüber nachdenken, wie die Enkel bauen würden.

„Be local, let the environment lead, and think about how your grandchildren might build“ – John Hardy (Gründer der Green School Bali)

Finanzierung der Green School Bali

Dass eine solche Schule Geld kostet, ist klar. Wie uns Sophie nach der Tour in einem persönlichen Gespräch verriet, werden die Kosten, die der Green School für den Unterricht und die Bezahlung der Lehrkräfte etc. entstehen, durch die Schulgebühren gedeckt. Diese liegen pro Kind momentan (Stand: Mai 2018) jährlich bei rund 11 300 € für die Klassenstufe 1-3 und bei rund 11 600 € jährlich für die Klassenstufen 4-5. Die aktuellen und exakten Schulgebühren für alle Jahrgangsstufen kann man hier einsehen.

Die weiteren Kosten, die an der Schule entstehen, werden durch Spenden getragen. So bekommt man zum Beispiel in der „Cathedral“, dem größten Gebäude auf dem Schulgelände, in eines der Bambusrohre seinen Namen eingraviert, wenn man mehr als 100,- € spendet. Das haben – wie ich vor Ort anhand der Gravuren festgestellt habe – schon wirklich viele, unter anderem auch prominente Personen wie Ban Ki Moon, Jane Goodall, David Copperfield und Sir Richard Branson gemacht.

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Kritik an der Green School Bali

Bislang habe ich nur Positives über die Green School Bali berichtet. Und das Positive möchte ich auch keinesfalls in den Schatten stellen. Dennoch gibt es für mich einige Kritikpunkte an der Green School Bali, die ich der Ehrlichkeit wegen, an der Stelle niemandem vorenthalten möchte.

Kommerzielle Ausrichtung!

So möchte ich zunächst einmal anmerken, dass ich vor Ort den Eindruck hatte, dass die Green School doch sehr kommerziell ausgerichtet ist. Wenn man nach der Tour noch etwas mehr sehen und etwas mehr über diese außergewöhnliche Schule und ihr Konzept erfahren möchte, wird man für eine private session erneut mit einer größeren Summe zur Kasse gebeten. Diese kommerzielle Ausrichtung schreckt im ersten Moment ein bisschen ab und begrenzt gewissermaßen die Verbreitung des Konzeptes. Eigentlich schade.

Horrende Schulgebühren für ein Entwicklungsland!

Vielmehr noch hat mich allerdings die Schulgebühr erschüttert. So kostet ein Schuljahr an der Green School Bali – wie oben bereits aufgeführt – rund 11 000 € pro Kind. Das ist in meinen Augen ein horrender Preis, wenn man bedenkt, dass die Balinesen, um die es ja doch zu gehen scheint, wenn man sich Dinge wie „be local“ auf die Stirn schreibt, durchschnittlich umgerechnet 2000 € PRO JAHR verdienen.

Und tatsächlich musste ich vor Ort feststellen, dass hauptsächlich Kinder westlicher Staaten und wohlhabender Eltern die Green School Bali besuchen. Kein Wunder. Die große Mehrheit der Balinesen und sicherlich auch viele Eltern westlicher Staaten können sich diese Art von Schulbildung leider für ihre Kinder nicht leisten. Man sieht hier die Schere zwischen arm und reich also recht weit auseinander klaffen. Schade!

Dennoch muss man aller Kritik an der Stelle auch ein bisschen den Wind aus den Segeln nehmen. So besteht für balinesische Kinder, deren Eltern die Schulgebühren nicht bezahlen können, die Möglichkeit, ein Stipendium zu erhalten. Diese Möglichkeit haben 30 balinesische Schüler genutzt. Zudem besuchen 240 Kinder aus der lokalen Nachbarschaft die Englisch-Sprachkurse der Green School Bali.

Nicht behindertengerecht!

Allerdings habe ich trotz allem noch ein bisschen Kritik anzumerken. So recherchierte ich nachträglich bezüglich der Frage, wie Kinder mit körperlicher Behinderung die unebenen und teilweise sehr holprigen Wege – die mir während des Besuchs auffielen – bestreiten. Wie ich unerfreulicherweise auf der Website der Green School lesen musste, müssen „Schüler, die zur Green School zugelassen werden, in der Lage sein, unebene Wege und Gelände, Treppen […] zu tolerieren und physisch zu navigieren“. Einzigartigkeit und Nachhaltigkeit des Schulgeländes hin oder her. Wenn man so innovativ ist und etwas völlig Neues schafft, wäre es meiner Meinung nach umso beeindruckender gewesen, hätte man dabei Menschen mit körperlicher Behinderung berücksichtigt und nachhaltige Wege angelegt, die auch sie bestreiten können. Aber bestimmt geht man da an der Green School in Zukunft noch einen Weg in die richtige Richtung.

Trotz der Kritik möchte ich anmerken, dass ich von der Green School mehr als beeindruckt bin. Speziell bezüglich der Frage, wie Schule sein kann, hat mich der Besuch an der Green School Bali sehr inspiriert. Nämlich interessenorientiert, projektbasiert und nachhaltig.

Wege-Green-School-Bali

Fazit zur Green School Bali

Die Green School Bali ist eine zukunftsorientierte Schule, die ganzheitliches Lernen kompromisslos ermöglicht. An der Green School wurde nicht versucht, traditionelle und innovative Konzepte zu mischen, sondern die Gründer hatten eine Vision, die sie verwirklichten. Ohne halbe Sachen zu machen. Sie gestalteten nicht nur das gesamte Schulgelände grundlegend um, sondern verliehen auch dem Unterricht ein Update. Nachhaltigkeit, ganzheitliches Lernen und die Förderung der individuellen Talente der Kinder stehen hier an erster Stelle. Die Förderung der Kreativität geht dabei ganz selbstverständlich mit einher.

Diese Schule vergleicht sich nicht. Sie setzt eigene Maßstäbe. Dazu gehört auch, dass von den Eltern mehr Mitarbeit verlangt wird. Sicherlich sind diese Veränderungen nicht in jedermanns Sinne – aber im Sinne einer bestimmten Personengruppe sind sie ganz bestimmt: im Sinne der Kinder.

Leider ist die Green School Bali aufgrund ihrer horrenden Schulgebühren zurzeit nur den Kindern zugänglich, deren Eltern in Bali leben und Geld haben. Das muss allerdings nicht so bleiben. Denn ein ganz wesentlicher Aspekt wurde bis zu dieser Stelle in meinem Artikel noch ziemlich vernachlässigt. Nämlich, dass die Gründung dieser herausragenden Schule einem Menschen gelungen ist, der sich ursprünglich beruflich auf Uhren und Schmuck spezialisiert hatte. Einem Juwelier also, nicht etwa einem Lehrer.

Diese Tatsache sollte allen Pädagogen zu denken geben und uns anspornen, es John Hardy gleich zu tun. Bevor wir weitermachen wie bisher, sollten wir das Kind in den Fokus unserer Überlegungen rücken und dann nochmals unseren Unterrichtsstil überdenken. Mit aller Konsequenz! Vielleicht entstehen dadurch noch viele weitere solcher einzigartigen und wertvollen Schulen wie die Green School Bali. Das wäre wünschenswert!

Weitere Infos über die Green School Bali?

Wer sich noch weiter inspirieren lassen möchte, kann einfach auf der Website der Schule vorbeischauen https://www.greenschool.org/ oder sich durch die Galerie klicken.

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Euwo
6 Jahre zuvor

Solche Schulen bräuchten wir mal in Deutschland 🙂

Boris
5 Jahre zuvor

Hmm, tolle Schule!